Roni Eytan
Roni Eytan – ein Reisender zwischen den Welten
Leuchtend, hell, ausdrucksstark, unschuldig und zutiefst emotional: so beschreibt Roni Eytan den Klang der Mundharmonika. Für ihn ist das kleine Instrument die wichtigste und zugleich intimste Art sich auszudrücken.
Trickfilm, Trompete und die Entdeckung der Mundharmonika
Seine Kindheit verbringt Roni in Jerusalem. Dort sieht er den Trickfilm „Yellow Submarine“, die Filmmusik stammt von den Beatles. Der Klang der Trompete gefällt Roni damals besonders, sodass er kurz darauf beginnt, Trompete zu lernen. Mit wenig Erfolg, wie er lachend erzählt.
Erst auf der Highschool wird er von der Musik völlig vereinnahmt. Inspiration sind seine Mitschüler, von denen viele ein Instrument – Gitarre, Klavier, Drums – spielen. Roni will dabei sein, auch ein Instrument lernen. Eines, das kleiner als die Trompete ist, das noch keiner spielt und er immer dabei haben kann. Er entscheidet sich für die Mundharmonika, deren Klang ihn schon lange fasziniert.
Roni beginnt im Selbststudium, Töne und Melodien aus ihr herauszulocken.
Steiniger Weg
Schließlich landet Roni in seiner ersten Band. Ein Musiker hatte ihn auf einer abendlichen Session in seiner Heimatstadt gehört. Ronis Spiel gefiel ihm und lud ihn daraufhin ein, in seiner Band mitzuspielen. Und so bietet sich Roni eine ganz unverhoffte Chance: bislang hatte er lediglich aus dem Bauch heraus gelernt, weder Musiktheorie und Noten gekannt noch einen Lehrer gehabt. Jetzt, mit 15 Jahren wird er in allem herausgefordert. Nach einem Jahr sollen seine Fortschritte geprüft werden, um in der Band bleiben zu können. Stundenlang übt und lernt Roni, vor allem in den Sommerferien vor der 11. Klasse. Zurückblickend sagt er, es war seine härteste Prüfung. Doch er schafft sie und sein Wunsch steht fest: Berufsmusiker, genauer – Jazzmusiker.
Europa-Tour und Hancock-Institut
Nach der Schule beginnt Roni ein Musikstudium in Israel, entscheidet sich aber kurz darauf, nach Boston zu gehen, um am renommierten Berklee College of Music zu studieren. Sein Lehrer, ein Pianist, nimmt ihn auf eine Europa-Tour mit. Das ist für den jungen Roni die Schule schlechthin. Er begegnet Musikern und Musikerinnen mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen. Sie eröffnen ihm neue musikalische Räume, die er nach und nach in seine eigenen einbaut: so integriert er etwa arabische, andalusische oder nordafrikanische Einflüsse in Jazz-Klänge und findet zunehmend zu einer ganz eigenen individuellen Sprache.
2018 wird Roni als erster Mundharmonika-Spieler überhaupt am Herbie-Hancock in Washington aufgenommen. Hier lernt er vor allem von Saxophonisten, Klarinettisten und anderen Bläsern. Und er bekommt Unterricht beim großen Herbie Hancock selbst.
Verbindung von Welten
Roni ist vorerst angekommen. Er tut das, was er liebt, sagt er über sich. Sein Freund und Instrumentenbauer Brendan Power hat ihm sogar eine eigene Mundharmonika gebaut: die erste mikrotonale Mundharmonika weltweit. Mit dieser kann Roni Töne erzeugen, die zwischen den kleinsten Tonschritten liegen. Für ihn bedeutet das, musikalische Zwischenwelten miteinander verbinden zu können und immer wieder auf neue ungeahnte Entdeckungsreisen zu gehen.

